eastcare, 06.04.2018

Ärztenetze differenzieren sich

Knapp 300‘000 Hausarztversicherte profitieren im «eastcare-Land» von einer zunehmend optimierten Behandlung und Betreuung entlang des Patientenpfades. Die acht von eastcare betreuten Ärztenetze verfolgen bei ihren Initiativen ganz unterschiedliche Wege und differenzieren sich zunehmend – zum Wohle aller. Ein Überblick.

Die Zeit, als die Managed Care-Modelle Pioniercharakter hatten und sich vornehmlich auf das Gatekeeping und die regelmässigen Qualitätszirkel der Ärzte inkl. Besprechung von CIR-Fällen beschränkten, ist passé. Das zeigen die vielen innovativen Projekte, die von den Netzen allein im letzten Jahr auf- und umgesetzt wurden.

Viele dieser Projekte haben die Optimierung der Qualität für Patientengruppen mit erhöhtem Koordinationsbedarf, wie beispielsweise ältere Menschen (multimorbid, dement) und chronisch Kranke im Fokus. Andere hingegen zielen auf die Sicherstellung der Versorgung in ländlichen Gebieten oder eine gut integrierte Notfallversorgung zwischen den verschiedenen Leistungsanbietern ab.


Qualitätszirkel für MPAs - der nächste Standard?

Drei Viertel der Ärztenetze haben eine oder mehrere MPA-Zirkelgruppen institutionalisiert. Die Erfahrung zeigt, dass die MPAs diese Kurse und den Wissenstransfer unter kundiger Leitung ausgesprochen schätzen. Das Ärztenetz Thurgau hat zur gezielten Förderung der Aufgaben und Kompetenzen der MPAs ergänzend ein eigenes Fachressort gebildet. Die Leiterin dieses Ressorts ist auch im Netzvorstand vertreten.


Chronic Care Management (CCM) - Diabetes

RhyMed hat sich unter dem Projektnamen «Flying MPA» die gemeinsame Betreuung von Diabetes-Patientinnen und -Patienten durch den Hausarzt und einer entsprechend ausgebildeten MPA auf die Fahne geschrieben. Die Betreuung der Patientinnen und Patienten erfolgte nach folgendem Schema:

  • Auswahl und Anfrage von geeigneten Patienten
  • Roundtable-Gespräch Patient, Arzt, MPA
  • Festlegung und Unterzeichnung der Jahreszielvereinbarung (HbA1c, Gewicht, Blutdruck, LDL-Cholesterin, Tabakkonsum)
  • 1. MPA-Sprechstunde
  • Fragebogen zur Befindlichkeit und zum Gesundheitszustand ausfüllen
  • Diabetes-Verlaufsblatt (Diabetes Sprechstunde) mit Patient durcharbeiten
  • Dokumentation Fussuntersuchung
  • Festlegung Folgekonsultation der MPA-Sprechstunde (i.d.R. innerhalb von drei Monaten)
  • Besprechung Verlaufsblatt mit Arzt

Die Patienten erklärten in der abschliessenden Befragung, dass sie es insbesondere schätzen, dass im Diabetes-Programm mit der MPA mehr Zeit für ausführliche Erklärungen und Informationen vorhanden war.


Sturzprävention

Das Ärztenetz xundart wirkt auf Anfrage der Gesundheitsdirektion St.Gallen beim Projekt Sturzprävention, das durch «VIA – Gesundheitsförderung Schweiz» initiiert wurde, mit.

Nachdem in einer ersten Phase der praxisgerechte Ablauf zur Erfassung des Sturzrisikos erarbeitet wurde, steht nun die interprofessionelle Zusammenarbeit im Vordergrund. Hierzu wurden Gespräche mit lokalen Spitex-Organisationen sowie mit Physio­therapeuten aufgenommen. Im Vordergrund stehen die Themen Kommunikation und praxistaugliche Prozesse; der Einstieg erfolgte über die Klärung der gegenseitigen Bedürfnisse.


Palliative Care

Gleich mehrere Netzwerke sind aktiv beim Aufbau und Mitwirken von Palliative Care-Foren tätig – wie beispielsweise der HAV Gossau beim Palliative Forum Tannenberg. Dieses Forum vernetzt und optimiert die Palliative Care für alle unheilbaren chronisch Kranken (inklusive neurologische Erkrankungen wie Demenz etc.) in der Region und macht diese für alle zugänglich.

Zu den Aufgaben des Forums gehören u.a. das Erfassen von Lücken im Betreuungsnetz oder das Führen der Plattform für die interprofessionelle Zusammenarbeit unter den Mitgliedern.


Patientenbefragungen

Beim HAV St. Gallen standen im letzten Jahr zwei Umfrage-Terminals bei allen Praxen im Einsatz. Die Antworten zu den Fragen zur Sprechstunde «Happy-or-not» wurden sowohl von den Patienten und den Ärzten abgeben. Die Umfrage ist abgeschlossen und ausgewertet und die Resultate wurden der Zeitschrift «Primary and Hospital Care» zur Veröffentlichung eingereicht.


Förderung des Hausarztberufs

Der HAV Linthgebiet initiierte in Zusammenarbeit mit dem Spital Linth ein spezifisches Projekt zur Förderung des Hausarztberufs, bei dem Assistenzärzte des Spital Linths in ihren zwei ersten Ausbildungsjahren einen vierwöchigen Stage bei einem Hausarzt des HAV Linthgebiet absolvieren können. Der Projektstart ist auf dieses Jahr vorgesehen.


Notfalldienst mit separatem Hintergrunddienst

Der HAV Appenzellerland realisierte im letzten Jahr einen Pilot zur Sicherstellung einer umfassenden Notfalldienstversorgung während 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr, im welchen die Hausärzte den Hintergrunddienst organisieren und sicherstellen. Die Hausärzte leisten damit einen wichtigen Beitrag bei der Notfallbetreuung von immobilen Patienten in Heimen oder in der Palliative Care. Die Regierungen der Kantone AI und AR entscheiden in diesem Frühjahr über die definitive Umsetzung.


Und wie sieht es bei den Krankenversicherern aus?

Bilden die Vergütungsmodelle die doch sehr unterschiedlichen Leistungsspektren der Netze ausreichend ab? Die meisten Krankenversicherer ihrerseits haben in den letzten Jahren ihre Vergütungsmodelle zunehmend verfeinert – insbesondere haben sie ihre Rahmenvereinbarungen mit den Ärztenetzen mit Zusatzentgelten für Leistungen in den Bereichen Chronic Care und Medikamente ergänzt.

 Andere Leistungen wie beispielsweise die Förderung des Hausarztberufs sind in den Entschädigungsvereinbarungen jedoch (noch) nicht enthalten.

 Die Richtung, dass  Managed Care verschiedene, differenzierte Ansätze und Initiativen für das gemeinsame Ziel – die Optimierung der Qualität für Patientengruppen mit erhöhtem Koordinationsbedarf entlang des Patientenpfades ­– zu berücksichtigen hat, stimmt. Das Tempo der Umsetzung könnte aber durchaus schneller sein. Zum Wohle aller und insbesondere zum Wohle der dritten Gruppe im Managed Care-Zusammenspiel, den Patienten und Versicherten.


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